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Die Heckschnärre schaut vom Nürtinger Rathaus-Giebel herunter auf das Treiben in der Stadt. Gerne hätte sie wieder ein Ei gelegt - aber sie ist aus Holz. Die Nürtinger SPD verleiht jedoch jedes Jahr ein symbolisches Ei an Personen, die wie einst die Heckschnärre in den Nürtinger Auen ihr Revier "aufrecht schnärrend" verteidigen.
Karl-Heinz Frey erhält 2012 das "Ei der Heckschnärre"
Er ist ein Naturschützer par excellence: Karl-Heinz Frey. Der Nürtinger, der auch aktiv beim BUND ist, hat sich überall dort eingemischt, wo Pflanzen- oder Tierarten bedroht waren. Sensibel beobachtet er die Entwicklungen in Nürtingen und Umgebung; für die Entscheidungsträger in Verwaltung und Gemeinderat ist er oft unbequem, weil er, um in den Worten der Heckschnärre zu sprechen, sein "Revier aufrecht schnärrend verteidigt" - wobei anzumerken ist, dass er das auch ganz leise, aber stets sachlich tut.
Kein Platz für Pflanzen und Tiere - Über die "verheerende Ordnungswut in der Stadt"
(th) Es war eine ernüchternde Bilanz, die Karl-Heinz Frey im September 2010 dem Naturschutzbund präsentierte. Das Thema des Vortrags des Sprechers des Landesnaturschutzverbandes im Kreis Esslingen war die Artenvielfalt in der Stadt. Er konnte durchaus von raren Tier- und Pflanzenarten in Nürtingen erzählen, die auch die Mitglieder des Naturschutzbundes vielfach nicht kannten. Aber meist endete ihre Geschichte damit, dass sie durch einen Pflegeeinsatz verschwunden sind oder es gibt sie nur noch an Stellen, wo die städtische Pflege sie noch nicht erwischt hat. Nach Karl-Heinz Freys Erfahrung ist es in unserem städtischen Umfeld gar nicht die sonst für den Artenschwund in Deutschland verantwortlich gemachte Landwirtschaft, die die Zerstörung von wertvollen Lebensräumen verursacht, sondern die gedankenlose Ordnungswut im Siedlungsbereich, an Straßen, Wegen und Gewässern. Überleben können nur wenige Arten, deren botanische Namen meist auf repens oder reptans enden, womit Pflanzenarten benannt werden, die am Boden kriechend wachsen und sich durch Ausläufer vermehren.
So berichtete Karl-Heinz Frey von einer Ufermauer an der Steinach, wo zwischen der Metzinger Straße und dem Steinachdreieck 75 zum Teil geschützte Pflanzen vorkommen, die aus Gründen des Hochwasserschutzes abgebrochen und 1 m höher neu gebaut werden soll. Am Neckar finden sich hingegen in Nürtingen auf 1,5 km nur 144 Pflanzenarten, von denen viele gar nicht mehr dazu kommen, Samen zu bilden und sich so zu vermehren, weil sie bereits im Mai im Rahmen der Gewässer-„Pflege“ niedergemäht werden.
Durch die Verbreiterung von Waldwegen, auf denen sich nun Fahrzeuge problemlos begegnen können, sind zahlreiche Standorte von Orchideen und Laichgewässer von Fröschen zerstört worden.
Pflegemaßnahmen auf Grundstücken und an Straßen zerstören aus desinteressierter Unkenntnis Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Karl-Heinz Frey erinnerte an das Schicksal von echtem Labkraut, Glaskraut, Hornissen-Glasflüglern, Tintenfleckweißlingen und der einsamen Raupe einer Ahorneule auf dem letzten weißen Hornklee, den die Pflegetrupps an der Tiefenbachstraße stehen ließen. Dabei ist es doch nicht notwendig, den Straßenrand in einer Tiefe von 4 m kahl zu mähen.
Eine Oase für Pflanzen und Tiere ist noch das ehemalige Güterbahnhofgelände mit seinen besonderen Standortbedingungen, auf dem Menschen sich nur mit ausdrücklicher Erlaubnis rumtreiben dürfen. Hier finden sich allein 125 Pflanzenarten und zahlreiche Tierarten, zu denen auch der Schwalbenschwanz und eine der größten lokalen Populationen der Zauneidechse zählen. Wenn es zu einer Bebauung dieses Geländes kommt, wird es auch damit vorbei sein.
Zugleich werden die heimischen Pflanzenarten an den verbleibenden Standorten von Pflanzen aus fernen Ländern verdrängt, die für die heimischen Tierarten wiederum nur geringen Nutzen haben. Karl-Heinz Frey zählte bekannte und weniger bekannte Arten auf, darunter den Götterbaum, den Sommerflieder, den Amarant, die indische Himbeere, die Feige, die Haargerste, den Japanknöterich und die Goldrute.
Auch die so schön anzuschauende Mösssinger Blumenmischung, die an verschiedenen Straßenrändern ausgesät wurde, enthält zahlreiche fremdländische Arten. Die Blütenvielfalt lockt zahlreiche Insekten an den Rand der Straße, wo sie vom Sog der vorbeifahrenden Autos erfasst und verletzt und getötet werden, woran man bei dieser optischen Bereicherung nicht gedacht hat. (aus: nürtinger stattzeitung, 16.9.2010)
Hellmut Kuby bekommt 2011 das "Ei"
Die Bunker-Pläne waren Volksverdummung
(we) Hellmut Kuby erhält am Aschermittwoch von der Nürtinger SPD das „Ei der Heckschnärre“. Kuby hat zeit seines Lebens sein Revier „aufrecht verteidigt“.
Helmut Kuby, der 1958 nach Nürtingen zog, ist kein bequemer Zeitgenosse. Bald schon hat er sich in seinem Berufsfeld, er war Partner im Architekturbüro Weinbrenner-Kuby-Rehm, in die Stadtentwicklung eingemischt. Vehement kämpfte er in den 60er Jahren gegen den Abriss des Steinernen Baus und gegen den Abriss der Kreuzkirche, der damals zumindest im Gespräch war, weil man die Kirche als Kirche nicht mehr brauchte. Heute bezeichnet er es als Glücksfall, dass die Stadt die Kreuzkirche übernommen hat, und er gesteht, dass er „froh war, dazu gezwungen zu werden, die Empore zu belassen“.
Bei den Plänen zum Bau eines Atombunkers spielt er den Gegenpart zur Stadt, die sich einiges an Zuschüssen versprochen hatte. Kuby weigerte sich, eine Planung für den Bunker zu machen und nannte die Bunker-Pläne „Volksverdummung“. Bald erhielt er den Spitznamen „der rote Kuby“. In den 80er Jahren kandidierte er auf der Liste der SPD für den Gemeinderat.
Den Charakter des alten Kreuzkirchparks, der ehemals ein Friedhof war, wollte Kuby erhalten: die ihn umgebende Mauer sollte nicht abgerissen werden. Hier war sein Kampf vergeblich, bei den Debatten um den möglichen Erhalt des Hölderlinhauses allerdings war er erfolgreich: der riesige Neubau wurde verhindert, das Haus als Hölderlins Heimathaus wird zumindest in Teilen bestehen bleiben; im Laufe dieses Jahres soll zusammen mit den Bürgern ein Konzept für das „Bildungszentrum Schlossberg“ erarbeitet werden.
Kuby war auch viele Jahre engagiert in der Friedensarbeit tätig. Seit 1980 begleitete aktiv er die Nürtinger Friedenswochen. Er organisierte Veranstaltungen, holte profilierte Redner nach Nürtingen. „Ich weiß, was Krieg ist“, sagte Kuby und erinnerte an seine Zeit als Marineoffizier im Zweiten Weltkrieg. Ja, er sei Pazifist, und dies verbinde ihn mit Otto Umfried; von ihm ging auch die Initiative aus, die Kreisberufsschule in Otto-Umfried-Schule umzubenennen. „Allen, die am Krieg verdienen, sollte man das Handwerk legen“, fordert Kuby und spricht sich für ein friedliches Zusammenleben der Völker aus.
Helmut Kuby ist jemand, der sich einmischt, der sich engagiert, wenn Werte bedroht werden. Diese Einstellung liegt in Kubys Familie. Sein Urururgroßvater hatte schon 1832 beim Hambacher Fest für Freiheit und Einheit Deutschlands protestiert, und sein Vetter Erich Kuby war ein bekannter liberaler Journalist und Buchautor. Werte sind für ihn der innere und äußere Frieden, die Bewahrung der Schöpfung, aber auch der Erhalt von wertvoller, historischer Bausubstanz und eines gewachsenen Stadtbildes, wie es die Nürtinger Altstadt darstellt. Der Mensch muss wissen, wo er seine Wurzeln hat.
<h1>Bericht über die Ei-Verleihung am Aschermittwoch: siehe "Nachrichten"!</h1>
26 Jahre "Ei der Heckschnärre"
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Die Heckschnärre am Rathaus-Giebel in Nürtingen |
26 mal aufrecht ihr Revier verteidigt
Anfang Dezember erscheint im Verlag Sindlinger-Buchartz das Buch zum Jubiläum der Ei-Verleihung an die inzwischen 25+1 Eierträgerinnen und Eierträger. Seit 27 Jahren wird jeweils am Aschermittwoch von der Nürtinger SPD das „Ei der Heckschnärre“ verliehen an engagierte und kritische Männer und Frauen. Zur Vorstellung des Buches lädt die Nürtinger SPD als Herausgeber alle Interessierten am Donnerstag, 2. Dezember 2010, um 19 Uhr in die Glashalle im Nürtinger Rathaus ein. Der Abend wird musikalisch umrahmt von der bekannten und beliebten Neckaraue-Houseband.
Neben der Entstehungsgeschichte des Heckschnärren-Eis und einigen Geschichten um die Heckschnärre, den Nürtinger Wappenvogel, und ihr Ei herum enthält das Buch Porträts der seitherigen 26 Eierträgerinnen und Eierträger mit Auszügen aus ihren Reden. So wird nachvollziehbar, warum sie von der Nürtinger SPD das Ei zum symbolischen Brüten erhalten haben. Gleichzeitig entsteht so ein Bild von der Nürtinger Politik und Gesellschaft der letzten drei Jahrzehnte, ein Bild, das geprägt ist sowohl vom bürgerschaftlichen Engagement auf vielen Ebenen als auch von Bodenständigkeit und Heimatliebe. Von Menschen also, die sich nicht mundtot machen lassen, die sich einbringen und einmischen im positiven Sinne, die also, wie einst die Heckschnärre in der Natur, ihr Revier aufrecht verteidigen.- Die Autoren sind Bärbel Kehl-Maurer, Helmut Nauendorf, Hans-Wolfgang Wetzel, Reinmar Wipper. Die Umschlagseiten hat Werner Mehlhorn gestaltet.





